4.-6. Juni 2021 Tenuta Orgiaglia
Reisen zu Coronazeiten hat seine Vor- und Nachteile, zumal wir uns recht kurzfristig dafür entschieden haben es zu wagen die Schweizer Grenze zu überschreiten.
Erst einmal muss man alle Infos finden, welche Regeln, den nun grade aktuell sind. Im Wirrwarr des Internets wird man fündig, bekommt aber auch viele Falschinformationen.
Also musste ich viel forschen herumtelefonieren und gutgemeinte Ratschläge von nicht Wissenden sondern nur Vermutenden ignorieren.
War ist, zu dieser Zeit mussten wir bei unserem Hausarzt einen PCR Test organisieren, der nicht älter sein darf als 48 Stunden vor Grenzüberschreitung. Auch wird empfohlen sich online in Italien anzumelden - Eine Art Reiseformular. Dies wiederum hat mich geschlagene 2,5 Stunden gekostet, den das Formular ist echt blöd aufgesetzt und funktioniert nur, wenn es genau richtig ausgefüllt und angetickt ist. So gibt es Fragen, die nahelegen, dass man sie überspringen kann, weil sie einen nicht betreffen und sind auch nicht als obligatorisch markiert, dennoch muss man auch dort im Dropmenu “keine” wählen.
Michael hat dann 2 Tage vor unserer Abfahrt noch seine 2. Impfung bekommen und prompt schreckliche Gliederschmerzen bekommen, so dass er mir bei den Reisevorbereitungen nicht wirklich helfen konnte.
Der Arme, ich weiß genau, wie er sich fühlte, bei mir war das bei beiden Impfungen so. Dazu noch Fieber und Kopfschmerzen.
Beim Garten wässern hab ich dann prompt auch noch unseren Wintergarten unter Wasser gesetzt. Einer unserer Sprinkler war falsch justiert und ich hatte es nicht bemerkt. Fix und fertig von der ganzen Aufregungung einer kurzfristigen Reiseplanung hab ich also,dank unseres Kächers, das Wasser aufgesaugt.
Samstag mussten wir bereits um 5 losfahren, denn sonst hätten wir die 48 Stundenregel nicht mehr geschafft. Gottseidank war Michael wieder fit. Ich war sowas von müde, dass ich unmöglich hätte fahren können. Ich bin immer wieder eingeschlafen und weggenickt keine gute Fahrbegleiterin.
An der Grenze nichts, keine Kontrolle, niemand wollte unsere PCR Bestätigung sehen…. Coronakontrolle total nicht vorhanden. Ich weiß nicht, ob ich das wirklich so gut finde… dieser scheiss Virus zirkuliert bereits schon viel zu lange und die meisten Menschen werden bereits unvorsichtig..
Die Fahrt in Italien ist jedoch sehr angenehm - keine Staus - nicht übermäßig viel Verkehr. So kamen wir auch eine Stunde zu früh in der Toskana an.
Aus vergangenen Reisen, wusste ich, das Agriturismo es nicht gerne haben, wenn man vor 3 Uhr auftaucht. In Sardinien mussten wir bei sengender Hitze auch schon mal über eine Stunde im Auto vor dem Tor warten, bis uns geöffnet wurde. So fuhren wir durch das Val d’Elsa bereits etwas langsamer. Die letzte Strecke bis zu unserem Agriturismo hat es in sich.
Ca. 5 km fast nicht bepflasterte Straße, mit vielen Schlaglöchern, Kies, Staub aber herrlicher Aussicht und feinem Geruch. Die Wiesen sind noch grün und voller Kräuter und Blumen, der gelbe Ginster blüht, es riecht würzig und blumig, herrlich!
Im Agriturismo Orgiaglia angekommen merken wir gleich hier ist alles anders. Auf dem großen Platz vor dem Hauptgebäude sitzen verteilt Familien und Pärchen. An einer langen Tafel wird noch gespeist und der Patron , Franco, prostet seinen Gästen munter zu.
Wir setzen uns noch etwas schüchtern an den Rand des Platzes und wollen nicht stören. Da kommt auch schon Umberta, Franco’s Frau, auf uns zu, fragt ob wir einen Kaffee wollen und spricht und lacht in einem fort.
Bevor sie uns unser Zimmer zeigt, führt sie uns an den Rand des Platzes und erklärt voller stolz ihren Grundbesitz. Unter uns der angeblich größte Swimmingpool der Gegend (er ist auch groß) das runter der Tenniscourt, und dann darunter die Olivenölmanufaktur. Rechts von uns der riesige Olivenhain mit ca. 30’000 Olivenbäumen, die im November abgeerntet und verarbeitet werden. In der Ferne eine Burg, die älteste der Toscana, datiert auf 850 zurück. Volterra und San Gimignano in der Ferne sichtbar, wenn man weiß wo schauen.
Dann zeigt sie auf eine Gruppe Frauen und sagt ganz laut, „die hier sind auch aus der Schweiz“ zu uns „ die sind aus Zug“
Unser Zimmer ist in einem Nebengebäude, ein alter Pferde und Fasanenstall der liebevoll umgebaut wurde Umberta ist auch sehr stolz auf all die Details, die sie uns erklärt.
Das Zimmer ist klein aber fein, es hat ein fast gotisches Fenster das man öffnen kann, auch bei der Tür kann man den oberen Teil öffnen. Fliegengitter schützen vor lästigem Ungeziefer. Das Badezimmer ist klein und eng, dennoch hat es viel Ablagefläche und wirkt nicht beengend. Einige der alten Mauerstrukturen wurden erhalten und geben dem Zimmer einen rustikalen Charm. An den Wänden hat es noch Eisenringe , um Pferde anzubinden…Umberta meinte ein Gast hätte gesagt, dass er da seine Frau anbinden werde. Und lachte lauthals.
Wir richten uns etwas ein, machen dann jedoch eine Siesta, nach der langen Fahrt, aber vor allem nach dem frühen aufstehen. Abendessen gibt es erst um 8.
Michael schläft noch als ich aufstehe. Draußen spielen Kinder, es wird geschwatzt und diskutiert. Ich laufe noch etwas auf dem Gelände umher und erkunde die Gegend. Es ist wirklich sehr abgeschieden hier und sehr friedlich.
Um Punkt 8 Uhr stehen wir Svizzeri natürlich vor der langen Tafel… doch wir müssen uns noch bis 8.15 gedulden. Umberta zitiert uns in die Küche, wo über einem alten, offenen Kamin, der mit Holz befeuert ist, die Brote für die Bruschette braten und Gemüsestreifen brutzeln. Daneben ein alter Herd wo in riesigen Pfannen, eine Dinkelsuppe und weitere Köstlichkeiten schmoren.
Umberta ruft eines der Kinder zu, es solle die Glocke läuten, das Zeichen, dass das Essen fertig ist und man sich setzen kann.
Uns wird ein Platz neben den Zugern zugewiesen, die eigentlich Deutsche sind und die in Zug leben. Eine Mutter mit zwei erwachsenen Töchtern, die eine mit Kind, die andere lebt in Italien, arbeitet jedoch im Tessin. Der lange Tisch ist voll. Viele Familien mit kleinen Kindern, ein paar Pärchen, die meisten Italiener, jeder 2. hat seinen Hund oder seine 🐕 Hunde dabei. Wir Schweizer müssen uns an dieses gemeinsame Essen am langen Tisch noch etwas gewöhnen.
Auch der große Haushund Artu kreist um den Tisch und hofft auf ein Häppchen.
Umberta und Franco unterhalten die Gäste zusätzlich und stellen sicher, dass man miteinander ins Gespräch kommt.
Es gab:
Bruschetta mit Olivenöl und Tomaten
Prosciutto, Schafkäse mit Hauseigebem Honig
Dinkelsuppe oder Pasta mit Trüffel
Kalbs Ragout in Kräutersauce oder Bistecca Fiorentina mit gegrillten Peperoni / Paprika
Geburtstagstorte: Bisquit mit Amatetto und crema
Dazu ein Chianti, Wasser und Kaffee
Pappsatt gehen wir ins Bett , draußen ist noch reges Treiben.
Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir trotz des späten Abendessens gut schlafen konnten, die Italiener beim Frühstück dann doch lieber alleine Frühstücken und uns das ganz recht ist.
Nach dem Frühstück, wir Haltens wie die Italiener auch eher spärlich mit Cornetto und Café Katte, fahren wir nach Colle di Val d’Elsa, der Kristallstadt. Hier wurde bereits seit mehreren hundert Jahren Bleikristall produziert. Das interessiert mich jedoch wenig. Ich will mir die Altstadt auf dem Hügel ansehen, an der wir bei der Herfahrt vorbeigefahren sind.
Einige der Familien reisen ab.
Wir finden einen vertrauenswürdigen Parkplatz und laufen zum alten Stadttor mit seinen dichten Wehrtürmen hoch. In einem hat es nun ein Restaurant mit Terrasse auf dem Turm. Von dort sollte man eine spektakuläre Aussicht haben.
In der Stadt ist Maskenpflicht, die recht gut eingehalten wird. Viele Touristen hat es nicht. Die Stadt liegt auf einer Hügelkette und ist langgezogen. Viel ist nicht los, es ist Sonntag. Wir kommen an einer Hochzeit vorbei. Die Braut sieht entzückend aus… nicht wie das typisch italienische Merengue. Das Kleid ist für Italienische Verhältnisse eher schlicht. Am Ende des Dorfes sieht man auf die untere neue Stadt, die man per Pedes/ zu Fuß oder mit einem Lift erreichen kann.
Die neue Stadt ist jedoch nicht wirklich hübsch, abgesehen von einem Campanile der just jetzt seine Glocken läutet. Wir besuchen einen kleinen Laden, der in eine Berggrotte in die Stadtmauer gebaut wurde. Die Kristallobjekte, Vasen und Gläser sind ganz hübsch, aber nicht so besonders, dass ich mich versucht sehe was zu kaufen… vielleicht bin ich auch etwas “auskristallisiert”.
Auf dem Rückweg zum Auto entdecken wir noch eine unterirdische Gasse, diese wird mit Lampen erhellt. Und es hat tatsächlich auch da noch bewohnte Hauseingänge.
Wir begegnen auch nochmals dem Brautpaar, welches mit dem Fotografen unterwegs ist und sich mal da und dort abfotografieren zu lassen.
Es ist langsam Mittagszeit und wir entschließen uns nach Volterra , die Stadt der Etrusker und des Alabsters, zu fahren und uns dort bei unserem Lieblings-Slowfood-Sandwich-Stand "La Sosta del Priore" ein Panini zu holen. Dank Corona und den fehlenden Touristbussen und Individualtouristen, finden wir auch gleich beim Eingang zur Stadt im Parkhaus einen Parkplatz. Wie anders als wir vor zwei Jahren den ganzen Berg abgeklappert haben, und unverrichteter Dinge wieder wegfahren mussten, weil alle Parkplätze besetzt waren und selbst die Straßen zugeparkt waren.
So ist es auch sehr angenehm die Stadt ohne von Koreanern geschubst zu werden und ohne anderen Touristen ausweichen zu müssen durch die Gassen zu laufen. Ich bin selbst über mich erstaunt, das ich die "La Sosta del Priore” wiederfinde. Dies findet sich in einer schmalen Seitengasse. Es stehen bereits einige Leute an um an eines der begehrten Panini zu gelangen.
Auf kleinstem Raum wird hier Brot getöstet, dass dan mit den herrlichsten “Schweinerreien” , auch vegetarisch und mit Honig, Pesto, Saucen, eingelegten Zwiebeln etc, belegt wird. Ein leckeres deftiges Essen für 6-9 Euro, das richtig satt macht. Michael ist nicht wirklich nach Sightseeing. Wir setzen uns jedoch noch an eine Bar genießen ein Eis, ein Café und ein Glas Wein.
Volterra liegt sehr hoch und der Blick auf das Tal und die Hügelige Landschaft unten ist spektakulär. Die Stadt bietet viel zum sehen. Bei einem unserer letzten Besuche sind wir vor dem Regen in ein Museum Piti geflohen… durchaus sehenswert. Piti war ein Reisender, der auch Reiseberichte schrieb und vieles aus der fernen Welt mit zurück nach Volterra brachte.
Aber eben heut ist uns nicht wirklich nach viel Sightseeing.
Danach geht es zurück zum Agriturismo. Dort waren 5 junge Frauen, welche den Jungesellinnenabend hier verbrachten. Wärmend diese ihren Ausritt hatten, kredenzte uns Umberta einem Café.
Während wir uns dann auf unsere kleine Veranda zurückzogen und etwas lasen, Fotos posteten und ich mein Strickzeug hervornahm haben die Braut und ihre Freundinnen mit Franco Pasta „Pici“ hergestellt, die dann beim Abendessen mit stolz hergezeigt wurden.
Am Pool unten bekamen die Damen dann noch ihren Aperitivo.
Zum Abendessen finden wir alle zusammen. Es gab:
Bruschetta
Herrlicher Fenchelsalami und Käse
Rote Zwiebelmarmelade
Pici mit den longierten Zwiebeln
Schweinsnierstücke und grillgemüse
Pistazieneis
Die Mädels mussten wegen der Corona Ausgangssperre dann doch wieder früh zurück nach Pisa.
Franco jedoch war in Partylaune schenkte jedem Wein nach und sorgte mit seiner Art für viel Gelächter.
So lernten wir jedoch dass es pro Jahr 20-30‘000 feinstes Bio-Olivenöl produziert. Dass er 30‘000 Olivenbäume sein Eigen nennt und dass da viel Arbeit dahinter steckt, die sich viele nicht vorstellen können. Dank dem Wind, der von Mittag bis Abends um acht bläst wird der Olivenhain auch von den schädlichen Mücken verschont, welche in anderen Gegenden ganze Ernten zu Fall brachten.
Aus dem Olivenöl lassen sie auch Naturkosmetik und Seifen herstellen, die die zum Verkauf anbieten. Dies ist jedoch Umbertas Fachgebiet.
Etwas beduselt und gut gelaunt gehen wir ins Bett.











































































































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