7.und 8. Juni Wandern in der Toskana

 Nach unserem Frühstück, das wir heute mit Ei und Fruchtsalat, Joghurt und Kuchen ergänzen, informieren wir uns, wie wir zu dem Schloss gelangen. Silvia die Tochter des Hauses informiert uns und empfiehlt mir auch gleich unterwegs einen Stock aufzulesen, der mir helfen soll die Steigungen zu überstehen. 

Da wir von den Schwaben bereits von Wildschweinbegegnungen gehört haben erkundigen wir uns. Diese sollen jedoch bei Sonnenschein nicht zu sehen sein. 

So wanderten wir dem Zypressenweg entlang hinunter, dann noch steiler hinab. Michael findet doch tatsächlich einen stabilen Wanderstab für mich und ja, er hilft. In der Tale angekommen geht es über einen kleinen Bach und dann den Hügel hinan. Und hinauf, an mit Eichen, Ginster und anderem Gehölz dichten Urwald vorbei. Im Gehölz knackt es immer wieder.. ein Wildschwein? Ein Reh? Ein Dachs oder Stachelschwein?  Oder doch nur ein Hase? Eidechsen, Schmetterlinge und einen Frosch sehe ich. Der Rest hat sich versteckt. 

Auf dem Weg gibt es viele Blumen, kleine Orchideen und Kräuter, Gräser und Büsche. Und dann immer wieder der Moment, wenn sich das Gehölz auftut und man eine wilde Wiese vor sich hat, den Blick ins Tal und auf die Burg frei gibt. Herrlich! 

Am Schluss müssen wir dann sogar noch etwas eine mit weissem Kies bestreute Strasse hinunterlaufen, bevor wir zum Castello di Luppiano gelangen. Dieses ist leider in privater Hand und kann nicht besucht werden. Umberta meinte das Schloss war ein Schauplatz für den Film „Herr der Ringe“. Davon lesen wir nichts im Internet. Nach dem Dreh wurde es dann verkauft und renoviert. 

Der Weg zurück ist weniger schlimm als angenommen. Es half jedoch, dass der Himmel bedeckt war und wir nicht der prallen Sonne ausgesetzt waren. Dennoch sind wir total verschwitzt und kaputt, als wir im Agriturismo ankommen.

Umberta gratuliert uns klatschend für unseren Ausflug, Anna-Maria gibt uns gleich eine Flasche Wasser. Es ist so rührend wie sich hier um die Gäste gekümmert wird. 

Nach einer erfrischenden Dusche gibt es Mittagessen. Bruschetta, etwas Dammhirsch-Salami, mit Mozzarella gefüllte und frittierte Zucchiniblüten, die Umberta frisch aus ihrem Garten gepflückt hat, und einen knackigen Salat mit Wildkräutern aus dem Garten. Dazu einen kühlen Vernacchia-Weisswein.

Nach einer Siesta setzen wir uns noch auf unsere Terrasse, lesen, ich stricke und wir surfen etwas im Netz, beziehungsweise posten unsere Eindrücke. Hinter dem Haus grollt der Donner, vor uns jedoch scheint die Sonne. Dennoch merken wir, dass das Wetter kehrt.

Es ist ruhig geworden auf dem Agriturismo. Ausser einem anderen Pärchen aus Como mit 🐕, sind wir die einzigen Gäste. Alle anderen sind abgereist. 

Einige rufen Abends noch an und berichten, dass sie gut angekommen sind. Umberta und Anna-Maria freuen sich und wünschen allen ein gute Zeit und laden jeden ein wiederzukehren.

Beim Abendessen setzen sich dann Umberta, Franco, Anna-Maria und ihr Mitarbeiter Leo zu uns und essen mit uns. 

Es gibt:

Bruschetta (wie jeden Tag)

Insalata Caprese (Tonaten Mozzarella)

Pasta mit Pesto di Pra (angeblich das Non-Plus-Ultra der Pesto)

(ein Holländer der früher Gast war und nun ein Haus in der Gegend renoviert hat,  hat ein grosses Glas aus Genova mitgebracht und es soll das Beste ganz Italiens sein)

Koteletts und ein Zucchinigemüse

Etwas Käse und ein Eis

Es ist frisch geworden. Selbst Umberta zieht sich eine wattierte Weste an. Franco ist wie immer sehr trinkfreudig. Man merkt, sie sind etwas müde und mit weniger Publikum auch nicht ganz so aufgedreht.

Umberta sagt, dass das Wetter ungewöhnlich frisch sei für diese Jahreszeit und dass sie in einer einzigen frostigen Nacht alle Kirschblüten erfroren seien.. 3 Stunden Frost und alles war dahin.,.ansonsten wäre die Natur heuer spät dran. Die Oliven gedeihen jedoch dieses Jahr gut.

Lilly das Pony, Ginger, eins der Pferde kommen und schnappen sich hier und da ein Brot, was Artu dem Hund gar nicht passt… dieser wird später jedoch mit den Knochen der Koteletts getröstet. Auch Aristotele, der hässliche Kater und Marie, die rollige Katze schleichen um den Tisch und hoffen auf ein Häppchen.

Dann kommen auch noch Apollo, Romeo und Champagner und Lady Oskar, die anderen vier Pferde. Artu jagt sie davon, doch sie kehren immer wieder zurück. Das geht einige Male so… ein Abendritual und Spiel, bis Anna-Maria alle forttreibt.

Dank Frankos fleissigem Nachschenken sind auch wir etwas tüdelig und schlafen bald ein.

Tags darauf entscheiden wir uns nach dem Frühstück reiten zu gehen. Michael ist etwas mulmig zumute und als ich ihn frage welches der Pferde er den reiten will meint er Lilly das Pony, da fällt man nicht so weit runter.

Wir laufen runter zu dem Sattelplatz. Dort ist eigentlich nur ein kleines blechernes Gartenhaus, das die Sättel, das Zaumzeug, Bürsten und Reithelme enthält. 

Draussen hat es noch einen eingezäunten Übungsplatz und oben ein eingezäumter Platz mit zwei mit Heu und Stroh ausgelegten Unterständen für die Pferde. 

Diese grasten eben noch friedlich auf der Weide. Anna-Maria treibt sie jedoch in den oberen Bereich, Holt drei Halfter und wir werden angewiesen, die uns nun zugewiesenen Pferde (Lady Oskar für Michael und Apollo für mich) zum Gartenhaus zu führen. 

Apollo ist etwas stur, aber mit etwas mehr Sturheit von mir kommt er schliesslich mit. Wir leinen die Pferde an der Holzkonstruktion für die Pferdedecken an und bekommen erst einmal eine Bürste in die Hand gedrückt mit der wir die Pferde abbürsten sollen. Das soll Vertrauen schaffen. 

Dann erst erhalten sie ihr Zaumzeug und die Sättel. Zu Fuss führen wir die Pferde auf den Übungsplatz und laufen erst einige Runden. Auch dies soll uns mit dem Pferd harmonisieren. Ausserdem hilft es den beim Satteln aufgeblähten Bauch des Pferdes zu entspannen und Anna-Maria zieht diese nun auch gleich etwas mehr stramm. Nun holt sie einen grossen Plastikeimer, der uns beim Aufsteigen helfen soll und auch hilft den Rücken der Pferde zu schonen. Er ist jedoch so hoch, dass ich Mühe hab hoch zu kommen. 

Doch dann schaff ich es. Anna-Maria zieht noch die Steigbügel in die richtige Länge, den Sattel noch etwas straffer und dann reiten wir erst einmal im Kreis. Anna-Maria erklärt die Wichtigkeit von aufrechter Sitzhaltung, Kniepressen und Fersendruck… und dann geht es auch gleich los .

Erst über etwas Wiese, aber dann auch in den Wald auf kleinen unscheinbaren Wegen, hinab und hinan, wieder auf eine Wiese, an dem Wildschweingehege vorbei, in dem sich eine Bache mit ihren Frischlingen befindet. Dann verschwindet Anna-Maria und Ginger zwischen zwei Bäumen. Das kann doch nicht ihr ernst sein? Appollo folgt und tatsächlich zwischen dem Urwalddickicht geht ein schmaler Pfad. Nur auf tiefhängende Äste müssen wir achen.

Hinauf zum Agriturismo und einmal rund um den Platz mit ermutigendem Jubelgeschrei von Umberta. Dort müssen/ dürfen wir auch für die obligaten Fotos posten, dann noch etwas weiter hinauf der Strasse längs und kehrt, wieder irgendwo ins Gesträuch an den hauseigenen zahlreichen Bienenstöcken vorbei und zurück am Agriturismo vorbei hinab zum Sattelplatz. 

Herrlich war es. Könnt ich jeden Tag machen. Apollo und Lady Oskar und natürlich auch Ginger, welche von Anna-Maria geritten wurde, bekommen je ein getrockneter Apfelwürfel als Belohnung und werden wieder abgezäumt und abgesattelt. 

Die Pferde sind ganz verschwitzt. Sie mussten ja auch unser beachtliches Gewicht tragen. Michael bekommt eine Art Metallbügel um Lady Oskar den Schweiss abzuziehen, Apollo entscheidet sich, sich im Sand zu wälzen, was denselben Effekt haben soll . 

Dankbar für dieses schöne Erlebnis gehen wir zurück zum Haus und entscheiden uns zur Abtei nach San Galgano zu fahren. Der Himmel ist bewölkt und wir hoffen, dass wir vom Regen und dem Gewitter verschont bleiben.

Wir müssen ca. 1 Stunde über Landstrassen , über Hügel und weite Täler fahren. Viel Verkehr hat es nicht. Der gelbe Ginster begleitet uns in den Hügeln, Felder, Mohn und anderes blühendes Kraut in den Tälern. 

Aufs Mittagessen verzichten wir heute und teilen uns auf der Fahrt lediglich einen Apfel. In San Galgano angekommen, parken wir und laufen dann zur eingestürzten Kathedrale. Davor wird gegraben. Ein Archäologisches Team hofft die alte Klosterküche und das Refrektorium,  den Speisesaal, zu finden. Das Gelände haben sie auch mit einer kleinen Drohne auskundschaftet.

Angeblich hatten berühmte Architekten vor der Instabilität der Kirche gewarnt, aber man hatte nicht auf sie gehört. 1783 schoss ein Blitzschlag in die Turmglocke und liess diese dann auf das Dach fallen und dieses kollabierte schliesslich ganz ein.

Der Eintritt zur Kathedrale kostet 4 Euro. So fast ganz ohne Touristen ist es hier sehr angenehm. Die Kathedrale ist beeindruckend und muss wohl einst sehr reich gewesen sein. Im Ticket inbegriffen wäre noch der Eintritt in ein in 9 km entferntes Museum, das sparen wir uns auf. Wir laufen jedoch noch zu Kappelle von Monte Siepi hinauf. Dort soll der Heilige San Galgano, Artus gleich, sein Schwert in den Felsen gerammt haben. Dies zum Zeichen von Abkehr der Gewalt und hin zum Frieden. 

Das Schwert konnte bisher niemand aus dem Felsen ziehen - jetzt ist es durch eine Plexiglaskuppel geschützt.

Die kleine Kappelle ist beeindruckend in ihrer Schlichtheit und die runde Kuppel wirkt mit de runden Kreiszeichnung schon fast hypnotisierend auf den Betrachter. In einer Seitenkapelle hat es eine kleine schlichte Marienstatue und Fresken, die man für 50 Cent kurz beleuchten kann. Der Kasten für die Beleuchtung findet sich im Durchgang. 

Beim Eingang geht es noch in einen kleinen von den Mönchen betriebenen Laden in dem es neben Rosenkränzen, Heiligenbildchen, Postkarten und Büchern auch einige Spezereien etc., wie Honig, Schnäpse, Naturkosmetik, Kräutermischungen, Lavendelsäckchen, Seifen, Harze, Töpfereien etc zu kaufen gibt. 

Als wir den Hügel hinab laufen zum Auto fängt es leicht zu regnen an. Perfektes Timing. 

Auf der Rückfahrt regnet es leicht. Im Agriturismo angekommen gehen wir uns noch etwas ausruhen und Fotos posten. 

Ich bin erstaunt, dass doch draussen aufgedeckt ist. Aber der Himmel klärte sich mit jeder Minute mehr und wir wurden sogar mit einem Abendrot belohnt.

Auch heute sind wir wieder wenige am Tisch und La Familia gesellt sich zu uns. Franco ist schon leicht beduselt und prostet uns kräftig zu. 

Es gab:

Bruschetta 

Prosciutto Melone und Dammhirschsalami

Salsiche und Schweinsbraten mit leckeren, knobligen Geschmolzenen Tomaten

Etwas Peccorinokäse 

Vin Santo und dreierlei Cantucchini








































































































































































Comments

  1. Spannend zu lesen,ihr habt viel gesehen ,einfach schön,aus deinen Erzählungen wird einem die Toscana richtig lieb,die Leute vom Agrotourismo scheinen sehr patent und unkompliziert zu sein.
    Hoch zu Ross ist ja schon auch sehr spannend ...schön dass ihr das erleben konntet...
    Macht weiter so....hier alles ok

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