9. JUNI - DOLCE FAR NIENTE

 Erst wollten wir ja nach San Gimignano fahren, doch Michael mag nicht. Er will lieber dem Süssen Nichtstun frönen. Das ist so selten bei Ihm, dass ich ihn da voll unterstütze.  Nach dem Frühstück setzen wir uns daher erst an den Rand des grossen Platzes und lassen die Seele baumeln, den Blick übers Tal und die Berge in der Ferne schweifen und lauschen den vielen Vögeln und dem summen der Bienen.

Ich nehme wieder mein Strickzeug zur Hand. Dann wagen wir es und gehen richtung Pool. Ich dusche erst, diese ist fast etwas zu warm. Der Pool leider nicht. Ich schaffe es zwar hinein das Wasser kommt mir über den Bauch. Aber es ist kalt - selbst mir zu kalt. Die Sonne scheint zwar, aber es geht ein kühler Wind. So liegen wir noch etwas am Rand des Pools und geniessen es einfach so ein privileg zu haben. Der Pool gehört ganz uns, es ist ruhig, wir fühlen uns für alles dankbar und unglaublich privilieiert.

Ich laufe noch um den Pool herum und finde viele Wildkräuter wie Pimpernelle, Spitzwegerich, halb-breiter Wegerich mit seinen nach Champignon schmeckenden Blüten,  Lavendel, Rosmarin, Thymian, wilder Oregano, Färberkamille, Margeriten und sogar echte Kamille. Hier könnte man schon einen Kräuterkurs veranstalten.

Dann ziehen wir uns um, es ist bald Mittagsessenszeit.  Heute wird zur abwechslung mal nicht in der Küche gesungen. Wir hören jedoch Anna-Maria aufgeregt ihre Mutter anschreien. Diese gibt ebenso laut zurück. Ungewöhnlich und doch scheint es so sehr normal, fast wie in einem Italienischen Film. Bald stürzt Anna-Maria mit einem kleinen Koffer aus dem Haus und ruft uns zu, dass sie nach Florenz zu einer Touristenkonferenz fährt und uns erst wieder am nächsten Tag sieht. 

Beim Mittagessen, erklärt uns Umberta, dass Anna-Maria sich erst in aller letzen Minute und nach gutem Zureden der Eltern dazu entschlossen hatte doch noch an der Konferenz im Organisationskomitee teilzunehmen und daher total in Hektik verfallen sei. Angeblich flogen Kleider und Schuhe durch das Zimmer, weil sie nicht wusste, was sie anziehen soll, was dann wieder zum Streit mit ihrer Mutter führte. Aber alle sind froh und stolz, dass sie diese gute Gelegenheit doch noch ergriffen hat.

Wir haben uns erbeten heute zum Mittagessen doch bitte nur einen Teller Pasta zu kredenzen, da wir einfach nicht soviel essen können. Diesmal ist es sogar Vollkorn-Radiatori mit Pesto. Umberta kann es dann doch nicht lassen uns noch je eine ganz reife Tomate aus dem Garten zu geben. Wir reagieren fast gleichzeitig gleich - Hmmm was für eine Delikatesse! Eine reife Tomate, etwas gutes Olivenöl und Salz und schon ist man reich beschenkt. Was will man mehr?

Leo der Arbeiter schaut uns verdutzt an und will wissen, was uns so verträumt dreinblicken lässt. Ich erkläre, dass manchmal das ganz Einfache, wie eine wirklich reife Tomate, das grösste Geschenk ist. Leo stimmt uns zu, ist aber glaub ich erstaunt, dass ausgerechnet Touristen sich an so etwas einfachem so sehr ergötzen können.  Er ergänzt, ja, viele vergessen, dass es Leute gibt, die nicht so privilegiert sind, die nicht wissen, wo das nächste Essen herkommt, die nicht in Frieden an einem Tisch sitzen können und mit neuen Freunden ein simples Mahl geniessen können. 

Vielleicht war es die Ruhe in dieser paradiesischen Umgebung die uns so sehr in Verzückung geraten liess, vielleicht auch das Bewusstsein, dass man in dieser Corona-zeit sich solcher Momente einfach mehr Gewähr wird, dankbar sein lässt. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr dankbar, dankbar, dass ich zu Hause noch meine Mutter habe, die Haus und Katze hütet, dass ich dies hier geniessen darf, dankbar für die gute Luft, die herzlichkeit unserer Gastgeber, für die schöne Umgebung, für meine Mann, der mich hierher begleitet hat. Vielleicht hatte ich ja auch einfach ein Gläschen Vernaccia zu viel. (Doch während ich dies hier schreibe und es doch schon über ein Woche her, geht es mir noch immer so. Was für ein Privileg wir doch mit unserer Reise in die Toskana haten).

Trotzdem muss ich nach dem Mittagessen erst mal eine kleine Siestapause machen. Das Wetter hat sich leider wieder etwas verschlechtert. Es windet und ist kälter geworden. So dass mir die Lust vergeht, einen zweiten Poolbesuch zu wagen. Wir vertun uns jedoch die Zeit mit einigen Runden Rummikub. 

Die ABendstimmung ist toll heute und ich versuche diese noch mit meinem Handy einzufangen. Ichbin ganz traurig, dass wir morgen diesen schönen Ort schon verlassen. Hier auf dem Platz an der langen Tafel würde ich gerne meinen 60sten Geburtstag feiern.

Dann gibt es Abendessen.

Heute geht Franco früh rein, er und Leo haben viel auf den Feldern gearbeitet und sie sind 

Zurück in unserem Zimmer packe ich schon mal einige Sachen zusammen.

Obwohl ich noch gerne San Gimignano ohne die lästigen asiatischen Touristengruppen gesehen hätte - es hat gut getan, dieser Tag des Dolce Far Niente.




























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